Aussendung vom 07.10.2024

Genuss schlägt Gewissen? FHWN-Studie zeigt, wie negative Umweltfolgen von Fleischkonsum verdrängt werden

Genuss schlägt Gewissen? © Envato Elements

Trotz des Wissens über die negativen Folgen von Fleischkonsum fällt es Menschen schwer, ihr Verhalten zu ändern.

Zu dieser Aussendung gibt es: 3 Bilder

Eine neue Studie der Fachhochschule Wiener Neustadt untersucht, wie Konsumentinnen und Konsumenten auf Informationen über die Umweltauswirkungen von Fleischkonsum reagieren. Trotz des Wissens über die negativen Folgen fällt es vielen schwer, ihr Verhalten zu ändern. Die Forschung zeigt, dass psychologische Abwehrmechanismen, wie das Relativieren von Umweltproblemen, eingesetzt werden, um den eigenen Fleischkonsum zu rechtfertigen. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, welche Ansätze notwendig sind, um Menschen in der Aufklärung über Fleischkonsum besser zu erreichen.


Wiener Neustadt, 7. Oktober 2024 – Die negativen Folgen des Fleischkonsums für die Umwelt sind längst bekannt. Obwohl viele Konsumentinnen und Konsumenten die negativen Folgen kennen, fällt es ihnen schwer, ihr Verhalten zu ändern. Was hält sie davon ab? Eine aktuelle Studie der FH Wiener Neustadt beleuchtet, wie Menschen auf Informationen über die Umweltbelastung durch Fleischkonsum reagieren und welche Strategien sie einsetzen, um das eigene Verhalten zu rechtfertigen – ein psychologisches Phänomen, das als „kognitive Dissonanz“ bezeichnet wird. Dieses tritt auf, wenn das Wissen um die negativen Folgen des Handelns nicht mit dem tatsächlichen Verhalten übereinstimmt.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten unbewusste Strategien einsetzen, um Fleischkonsum vor sich selbst zu rechtfertigen und die eigene Dissonanz zu reduzieren. Dazu gehört beispielsweise das Relativieren von Umweltauswirkungen oder auch das gezielte Vermeiden von Informationen über Umweltschäden, etwa durch das Ausblenden von Berichten in den Medien“, erklärt Tatjana Kwasny, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Marketing.

Informationen verdrängen, Unbehagen vermeiden
Bisherige Studien haben sich vor allem auf die Verbindung zwischen Tierleid und kognitiver Dissonanz konzentriert und gezeigt, dass Konsumentinnen und Konsumenten weniger Fleisch essen, wenn sie sich mit nicht artgerechter Tierhaltung in der Fleischindustrie beschäftigen.

Die Forschung der FH Wiener Neustadt schließt jedoch eine wichtige Lücke: Sie untersucht erstmals, ob auch Informationen zu den Umweltauswirkungen des Fleischkonsums ähnliche Effekte haben. In den ersten beiden Studien wurde herausgefunden, dass Konsumentinnen und Konsumenten auf Umweltinformationen mit Abwehrmechanismen reagieren – sie ignorieren oder relativieren die Informationen, um das unangenehme Gefühl der Dissonanz zu umgehen und ihren Fleischkonsum zu rechtfertigen.

Erkenntnisse für Aufklärungskampagnen
„Das Auflösen des unangenehmen Gefühls der Dissonanz, welches wir in unserer Forschung beobachten können, ist eine natürliche Methode, die Menschen in Entscheidungssituationen, in welchen sie hin und her gerissen sind, anwenden. Unsere Forschung hat das Ziel herauszufinden, ob und bei wem Informationen zu den negativen Umweltauswirkungen von Fleischkonsum auch zu einer Verhaltensänderung führen können. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise darauf, wie beispielsweise Aufklärungskampagnen effektiver gestaltet werden können, um Menschen wirklich zu erreichen“, beschreibt Sarah Marth, Leiterin des Masterstudiengangs „Wirtschaftsberatung & Unternehmensführung“ und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Marketing.

Die Ergebnisse der bisherigen Studien, die untersuchten, welche Rolle Informationen über die negativen Umweltauswirkungen von Fleischkonsum bei der Entstehung von kognitiver Dissonanz spielen und inwiefern Konsumierende Strategien zur Rechtfertigung ihres Fleischkonsums anwenden, wurden bereits auf der renommierten SABE/IAREP Konferenz in Dundee präsentiert. Das Forschungsteam, dem neben Kwasny und Marth, auch Petra Riefler (BOKU) und Barbara Hartl (IHS) angehören, erhielt dort wertvollen Input von internationalen Expertinnen und Experten.


Die Fachhochschule Wiener Neustadt
Die FH Wiener Neustadt zählt zu den Top-Bildungseinrichtungen des Landes und ist Gestalter sowie Vorbild am heimischen FH-Sektor. Mittels praxisnaher Ausbildung, internationaler Vernetzungen und innovativer Forschungsarbeit werden gefragte Persönlichkeiten ausgebildet. Aktuell bietet die FH Wiener Neustadt an den fünf Standorten in Wiener Neustadt, Wieselburg, Tulln, Wien und Salzburg insgesamt 47 Studiengänge an den fünf Fakultäten Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sport und Sicherheit an. Dies eröffnet den mehr als 4.500 Studierenden eine Vielzahl an Karriereperspektiven. Mehr als 500 MitarbeiterInnen und rund 1.000 ReferentInnen sorgen dabei für die hohe Praxisrelevanz der Ausbildung und einen modernen sowie effizienten Lehrbetrieb. Die FH Wiener Neustadt verfügt über ein eigenes, preisgekröntes Forschungsunternehmen – die FOTEC Forschungs- und Technologietransfer GmbH – und kooperiert mit rund 100 Partnerhochschulen weltweit. Die FHI (Fachhochschul-Immobiliengesellschaft der FHWN) realisierte in den vergangenen Jahren zahlreiche Leuchtturm-Projekte auf internationalem Top-Level, wie den Bau des Hauses der Digitalisierung am Biotech Campus Tulln, den City Campus Wiener Neustadt oder sämtliche Campuserweiterungen. Der Campus Wieselburg gilt als Hotspot für Nachhaltigkeit, Sustainable Innovation und als Zentrum für Marketing und Consumer Science. Der Biotech-Campus Tulln etabliert sich zunehmend als zentrale Anlaufstelle in Sachen Forschung, Innovation und Digitalisierung. Neben der laufenden Weiterentwicklung des Studienangebots und der aktiven Vernetzung durch internationale Kooperationen, sind die Eröffnung des Innovation Labs in Wiener Neustadt und die Implementierung des Instituts für Nachhaltigkeit wesentliche Meilensteine im Ausbau der FHWN sowie des Wissenschaftsstandortes Niederösterreich.

fhwn.ac.at

Alle Inhalte dieser Aussendung als .zip: Sofort downloaden In die Lightbox legen

Bilder (3)

Genuss schlägt Gewissen?
4 000 x 2 668 © Envato Elements
Dr. Sarah Marth MSc
6 000 x 4 000 © FHWN
Tatjana Kwasny MA
3 543 x 2 480 © FHWN


Kontakt

Michelle Steiner
Michelle Steiner, MA

PR Management
media@fhwn.ac.at