Aussendung vom 07.04.2021

Strom aus der Nachbarschaft: Sind Energiegemeinschaften die Lösung?

Strom aus der Nachbarschaft: Sind Energiegemeinschaften die Lösung? © Envato Elements

Strom aus der Nachbarschaft: Sind Energiegemeinschaften die Lösung?

Zu dieser Aussendung gibt es: 1 Bild
Das Ziel ist klar: Bis zum Jahr 2050 soll unsere gesamte Energieversorgung aus regenerativen Technologien kommen. Der Weg dorthin ist allerdings nicht nur lang, sondern auch von vielen Herausforderungen geprägt. Die Energiewirtschaft, wie wir sie kennen, zentral gesteuert und von großen Erzeugungskapazitäten geprägt, verschwindet zunehmend. An ihre Stelle tritt ein System, in dem jeder einzelne Haushalt eine wichtige Rolle spielen kann. Wie dieses System in Zukunft zur Energiewende beitragen kann, untersuchen Forscherinnen und Forscher am Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt.

Wieselburg, 7. April 2021 – Welche Rolle spielt die Biomasse bei der Strom-, Wärme- und Treibstofferzeugung? Wie gehen wir mit der nicht planbaren Erzeugung aus Sonne und Wind um? Und wo sollen Photovoltaikanlagen und Windräder überhaupt installiert werden? Es sind viele und entscheidende Fragen, mit denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Campus Wieselburg im Rahmen des Projekts NETSE (Nutzerorientierte Entwicklung von Technologien und Services für Energiegemeinschaften) während der kommenden zwei Jahre beschäftigen werden.

Strom untereinander nachbarschaftlich zu tauschen, war lange undenkbar. Das neue Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) soll nun den rechtlichen Rahmen schaffen, um genau dies zu ermöglichen. Etwas vereinfacht erklärt, soll es eine Energiegemeinschaft ermöglichen, dass man seinen selbst erzeugten Strom, wie beispielsweise aus einer Photovoltaikanlage, selbst weiterverkaufen kann.

„In einer lokalen erneuerbaren Energiegemeinschaft muss dies in direktem Umfeld der eigenen Anlage geschehen, um so das übergeordnete Stromnetz zu entlasten. Der Strom soll nach Möglichkeit gleich dort verbraucht werden, wo er auch erzeugt wird. Da dabei auch nur die niedrigen Netzebenen genutzt werden, ist für diesen Strom auch ein reduzierter Netztarif vorgesehen“, erklärt Projektleiter Franz Theuretzbacher. Der konkrete Strompreis muss dabei zwischen den Handelspartnern vereinbart werden.

Kommunikation zwischen Mini-Kraftwerken im Fokus

Bevor Energiegemeinschaften in großem Stil umgesetzt werden können, gilt es allerdings noch viele Fragen zu beantworten. Die Fachhochschule Wiener Neustadt untersucht zusammen mit zahlreichen Forschungs- und Industriepartnern im Projekt NETSE unter anderem, welche Anforderungen die Kommunikationsschnittstellen bei Photovoltaik, Batteriespeicher und Co. erfüllt werden müssen, um in Energiegemeinschaften integriert werden zu können. Weitere Forschungsthemen betreffen die optimale Planung von Energiegemeinschaften, sowie die Art und Weise, wie diese organisiert sein sollten.

Die Fachbereiche Nachhaltige Energiesysteme & Bio Economy sowie Consumer Science am Campus Wieselburg der Fachhochschule Wiener Neustadt beschäftigen sich damit, inwieweit Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern bei der Entwicklung von Dienstleistungen rund um die Energiegemeinschaft berücksichtigt werden müssen. „Dabei konzentrieren wir uns sowohl auf Aspekte der Akzeptanz, als auch auf Usabilityfragen, um so sicherstellen zu können, dass Energiegemeinschaften die Erwartungen, die ihre Mitglieder in sie setzen, auch tatsächlich erfüllen können“, so Theuretzbacher.

Alle können Teil der Lösung werden

Doch um Teil der Energiewende zu werden, muss man das Eigenheim nicht unbedingt zum Mini-Kraftwerk umbauen – auch für Menschen, die nicht selbst Strom erzeugen, soll in Zukunft die Möglichkeit bestehen, an nachhaltigen Energielösungen beteiligt zu sein. Zum Beispiel ist es möglich auch in sogenannte Gemeinschaftsanlagen zu investieren. Das heißt, auch wenn man selbst nicht über eine geeignete Dach- oder Freifläche für Photovoltaik verfügt, kann man sich in Zukunft einen Anteil einer gemeinsamen Anlage sichern, um so zumindest einen Teil des eigenen Verbrauchs zu decken.

Rahmendaten zum Projekt:

NETSE – „Nutzerorientierte Entwicklung von Technologien und Services für Energiegemeinschaften“, gefördert durch den Klima- und Energiefonds (Forschungsprogramm: Stadt der Zukunft, 7. Ausschreibung)

Projektkonsortium:
• Fachhochschule Wiener Neustadt – Campus Wieselburg
• BEST - Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH
• 4Ward research GmbH
• Austrian Institute of Technology GmbH
• EVN AG
• Netz Niederösterreich GmbH
• Microtronics Engineering GmbH
• WEB Windenergie AG
• Stadtgemeinde Wieselburg

Die Fachhochschule Wiener Neustadt.
Die FH Wiener Neustadt zählt zu den Top-Bildungseinrichtungen des Landes und ist Gestalter sowie Vorbild am heimischen FH-Sektor. Mittels praxisnaher Ausbildung, internationaler Vernetzungen und innovativer Forschungsarbeit werden gefragte Persönlichkeiten ausgebildet. Aktuell bietet die FH Wiener Neustadt an den vier Standorten in Wiener Neustadt, Wieselburg, Tulln und Wien insgesamt 40* Studiengänge an den fünf Fakultäten Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sport und Sicherheit an. Dies eröffnet den mehr als 4.000 Studierenden eine Vielzahl an Karriereperspektiven. 470 MitarbeiterInnen und rund 1.330 ReferentInnen sorgen dabei für die hohe Praxisrelevanz der Ausbildung und einen modernen sowie effizienten Lehrbetrieb. Die FH Wiener Neustadt hat ein eigenes Forschungsunternehmen – die FOTEC Forschungs- und Technologietransfer GmbH – und kooperiert mit rund 100 Partnerhochschulen weltweit. Neben der laufenden Weiterentwicklung des Studienangebots und der aktiven Vernetzung durch internationale Kooperationen, sind die Gründung des City Campus im Herzen von Wiener Neustadt sowie die Erweiterung des Marketing & Sustainable Innovation Campus Wieselburg wesentliche Meilensteine im Ausbau des Wissenschaftsstandortes Niederösterreich. Mit einem eigenen Institut für Nachhaltigkeit und der Eröffnung des Innovation Labs wurden einmal mehr bereits frühzeitig die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt.
 
*vorbehaltlich der Akkreditierung der AQ Austria