Aussendung vom 07.09.2026
Wiener Neustadt, 7. September 2026 – Vom Labor auf den Spieltisch: Wissenschaft ist längst Thema zahlreicher moderner Brettspiele. Doch sie dient darin nicht nur als Kulisse. Spielende schlüpfen selbst in die Rolle von Forschenden, treffen wissenschaftliche Entscheidungen und erleben, wie Forschung funktioniert. Genau diese Perspektive untersucht die aktuelle Studie Playing Science: Representing and Doing Research in Board Games.
Dafür analysierte ein Forschungsteam rund um Michael Penkler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wissenschaftsmethodik und Marktforschung der FH Wiener Neustadt, drei Brettspiele, in denen wissenschaftliche Arbeit eine zentrale Rolle spielt.
Wenn Spielende zu Forschenden werden
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, welches Bild von Wissenschaft Brettspiele vermitteln. Anders als Filme oder Bücher ermöglichen sie es den Spielenden, selbst in die Rolle von Forschenden zu schlüpfen und wissenschaftliche Entscheidungen aktiv zu treffen. Dadurch wird Wissenschaft nicht nur dargestellt, sondern unmittelbar erfahrbar. Gleichzeitig entstehen Vorstellungen davon, wie Forschung funktioniert, was wissenschaftlichen Erfolg ausmacht und welche Eigenschaften Forschende mitbringen müssen.
„Brettspiele zeigen nicht nur Wissenschaft – sie lassen uns erleben, wie es sich anfühlt, Wissenschaft zu betreiben. Gerade deshalb verraten sie viel darüber, welche Vorstellungen von Forschung in unserer Gesellschaft vorherrschen“, sagt Penkler.
Die Analyse zeigt, dass Brettspiele nicht ein einziges Bild von Wissenschaft vermitteln. Je nach Spiel erscheint Forschung als logisches Rätsellösen, als geschicktes Management von Netzwerken und Ressourcen oder als Wettlauf um Entdeckungen, Reputation und wissenschaftliche Anerkennung.
Wettbewerb dominiert das Spielgeschehen
Besonders auffällig war für das Forschungsteam, dass wissenschaftlicher Erfolg in allen untersuchten Spielen vor allem über Konkurrenz vermittelt wird. Kooperation spielt zwar ebenfalls eine Rolle, bleibt jedoch meist nachrangig.
„Überrascht hat uns vor allem, wie stark Wettbewerb im Mittelpunkt steht. Wissenschaftlicher Erfolg wird in den Spielen häufig darüber definiert, besser oder schneller zu sein als andere. Dabei lebt Forschung in der Realität oft von Zusammenarbeit, gemeinsamem Wissen und langfristigen Kooperationen“, erklärt Penkler.
Forschung zwischen Spiel und Gesellschaft
Gerade diese Gegenüberstellung macht Brettspiele aus wissenschaftlicher Sicht interessant. Als bedeutendes Kulturmedium erreichen sie ein breites Publikum und zeigen einerseits, wie Forschung dargestellt wird, spiegeln andererseits aber auch gesellschaftliche Vorstellungen davon wider, was Wissenschaft ausmacht und welche Werte mit ihr verbunden werden.
Die Studie entstand gemeinsam mit dem Medien- und Kulturwissenschaftler Stefan Sulzenbacher (TU Wien und Universität Wien), der auch als externer Lektor an der FH Wiener Neustadt tätig ist, sowie dem Public-Health-Forscher Stephan Voss (LMU München) und wurde in der internationalen Fachzeitschrift Science as Culture veröffentlicht.
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