Aussendung vom 19.02.2026

Wenn mehrere Sprachen Alltag sind: Ein professioneller Umgang mit Mehrsprachigkeit

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Mehrsprachigkeit gehört für viele Kinder zum Alltag. Für Fachkräfte im Bildungs- und Gesundheitswesen bringt diese sprachliche Vielfalt jedoch neue fachliche Anforderungen mit sich. Welche Folgen das für Diagnostik, Förderung und Bildungschancen hat und warum fachliche Kompetenz in der Sprachentwicklung heute unverzichtbar ist, zeigt der Bachelor-Studiengang Logopädie an der FH Wiener Neustadt.


Wiener Neustadt, 19. Februar 2026 – Ob im Kindergarten, Klassenzimmer sowie in kinderärztlichen oder logopädischen Praxen: Fachkräfte arbeiten immer häufiger mit Kindern, die mit zwei oder mehr Sprachen aufwachsen. Gerade hier entscheidet fundiertes Fachwissen darüber, ob Mehrsprachigkeit korrekt verstanden oder vorschnell fehlinterpretiert wird – mit direkten Auswirkungen auf Bildungswege, therapeutische Entscheidungen und Chancengleichheit.

„Mehrsprachigkeit ist kein Sonderfall, sondern gesellschaftliche Realität“, betont Angelika Jungwirth, Leiterin des Bachelor-Studiengangs Logopädie an der FHWN. „Umso wichtiger ist es, Sprachentwicklung unter mehrsprachigen Bedingungen fachlich korrekt einzuordnen – gerade weil falsche Annahmen im Bildungs- und Gesundheitsbereich weitreichende Folgen haben können.“

Mythos „Überforderung“

Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, bringen unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen und kulturell geprägte Kommunikationsweisen mit. Das kann in der Praxis zu Missverständnissen oder vorschnellen Fehleinschätzungen führen – etwa, dass Mehrsprachigkeit Kinder sprachlich überfordert oder sogar Sprachentwicklungsstörungen verursacht. „Die Forschung zeigt klar, dass Mehrsprachigkeit keine Sprachentwicklungsstörung verursacht“, stellt Jungwirth klar. Rund sieben Prozent aller Kinder, egal ob ein- oder mehrsprachig, sind betroffen. Das entspricht jedem 14. Kind.

Entscheidend ist daher eine fundierte, interdisziplinär abgestimmte Diagnostik, die typische mehrsprachige Erwerbsverläufe von tatsächlichen Störungsbildern unterscheiden kann.

Logopädie in mehrsprachigen Settings

„Logopädinnen und Logopäden müssen keine Angst vor Sprachen haben, die sie selbst nicht sprechen“, erklärt Jungwirth. Ausschlaggebend seien vielmehr fundierte Kenntnisse über Spracherwerbsprozesse sowie eine fachlich abgesicherte Diagnostik. Ebenso wichtig sei eine wertschätzende Haltung gegenüber Mehrsprachigkeit, die nicht als Hindernis, sondern als Ressource verstanden werden müsse.

Ein zentraler Erfolgsfaktor in der Therapie ist zudem die enge Einbindung der Bezugspersonen, da sie den Sprachalltag der Kinder maßgeblich prägen. Für eine gesunde Sprachentwicklung mehrsprachiger Kinder sei vor allem qualitativ hochwertiger Sprachinput entscheidend. Kinder profitierten von einem vielfältigen Wortschatz und korrekter Grammatik – sowohl in der Erst- als auch in der Zweitsprache. Dieser Input müsse im Austausch mit Menschen stattfinden, da Medien menschliche Kommunikation nicht ersetzen können.

Mehrsprachigkeit fest im Studium verankert

Der Bachelor-Studiengang Logopädie an der FH Wiener Neustadt greift diese Anforderungen gezielt auf. Themen wie Mehrsprachigkeit und Interkulturalität sind fest im Curriculum verankert und werden in Lehrveranstaltungen, Projekten und der Lehrpraxis behandelt. In der Lehrpraxis betreuen Studierende sowohl ein- als auch mehrsprachige Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen.

„Unsere Studierenden lernen, Mehrsprachigkeit fachlich fundiert einzuordnen und professionell damit umzugehen“, so Jungwirth. Ziel sei es, Absolventinnen und Absolventen auszubilden, die sprachliche Vielfalt als Selbstverständlichkeit begreifen und Kinder kompetent begleiten können.


Die Fachhochschule Wiener Neustadt
Die FH Wiener Neustadt zählt zu den Top-Bildungseinrichtungen des Landes und ist Gestalter sowie Vorbild am heimischen FH-Sektor. Mittels praxisnaher Ausbildung, internationaler Vernetzungen und innovativer Forschungsarbeit werden gefragte Persönlichkeiten ausgebildet. Aktuell bietet die FH Wiener Neustadt an drei Standorten und sieben unterschiedlichen Studienorten in Wiener Neustadt, Wieselburg, Tulln, Wien und Salzburg insgesamt 47 Studiengänge an den fünf Fakultäten Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sport und Sicherheit an. Dies eröffnet den mehr als 4.500 Studierenden eine Vielzahl an Karriereperspektiven. Mehr als 500 MitarbeiterInnen und rund 1.000 ReferentInnen sorgen dabei für die hohe Praxisrelevanz der Ausbildung und einen modernen sowie effizienten Lehrbetrieb. Die FH Wiener Neustadt verfügt über ein eigenes, preisgekröntes Forschungsunternehmen – die FOTEC Forschungs- und Technologietransfer GmbH – und kooperiert mit 90 Partnerhochschulen weltweit. Die FHI (Fachhochschul-Immobiliengesellschaft der FHWN) realisierte in den vergangenen Jahren zahlreiche Leuchtturm-Projekte auf internationalem Top-Level, wie den Bau des Hauses der Digitalisierung am Biotech Campus Tulln, den City Campus Wiener Neustadt oder sämtliche Campuserweiterungen. Der Campus Wieselburg gilt als Hotspot für Nachhaltigkeit, Sustainable Innovation und als Zentrum für Marketing und Consumer Science. Der Biotech-Campus Tulln etabliert sich zunehmend als zentrale Anlaufstelle in Sachen Forschung, Innovation und Digitalisierung. Neben der laufenden Weiterentwicklung des Studienangebots und der aktiven Vernetzung durch internationale Kooperationen, sind die Eröffnung des Innovation Labs in Wiener Neustadt und die Implementierung des Instituts für Nachhaltigkeit wesentliche Meilensteine im Ausbau der FHWN sowie des Wissenschaftsstandortes Niederösterreich.

fhwn.ac.at

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Mehrsprachigkeit gehört für viele Kinder zum Alltag
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Mag. Angelika Jungwirth MSc BSc
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Michelle Steiner
Michelle Steiner, MA

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