Aussendung vom 12.03.2026
Wieselburg, 12. März 2026 – Pferdehaare aus dem saisonalen Fellwechsel könnten künftig zu Vliesstoffen verarbeitet und etwa für Sattelunterlagen, Akustikelemente oder Dämmmaterialien genutzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Masterarbeit im Studiengang Eco Design von Annabell Eder. Die Arbeit untersucht erstmals systematisch, ob und wie sich die kurzen Haare aus dem Fellwechsel technisch nutzen lassen – ein Stoffstrom, der bislang kaum beachtet wurde.
„Als Pferdebesitzerin habe ich jedes Jahr gesehen, wie viele Haare beim Fellwechsel anfallen und einfach entsorgt werden“, erzählt Eder. „Dabei handelt es sich eigentlich um einen natürlichen, regional verfügbaren Rohstoff.“ Aus dieser Beobachtung entstand die Idee, das Material wissenschaftlich zu untersuchen und seine Möglichkeiten für nachhaltige Anwendungen auszuloten.
Ein unterschätzter Reststoff
Für die Untersuchung wurden gemeinsam mit zehn Pferdehalterinnen und Pferdehaltern rund 30 Kilogramm Rohmaterial gesammelt und anschließend analysiert. Dabei arbeitete Eder mit mehreren Forschungspartnern zusammen, darunter die Hochschule Hof unter der Leitung von Claus-Ekkehard Koukal, das Unternehmen Groz-Beckert sowie das Francisco Josephinum in Wieselburg.
Die Analysen zeigen: Pferdehaare sind vergleichsweise glatt, wenig gekräuselt und relativ steif – Eigenschaften, die ihre textile Verarbeitung erschweren. Dennoch konnten in verschiedenen Versuchen erfolgreich Vliesstoffe hergestellt werden, unter anderem durch Vernadelungs- und Wasserstrahlverfahren sowie durch Mischungen mit Fasern wie Lyocell oder Wolle.
„Die Arbeit zeigt sehr anschaulich, dass auch ungewöhnliche Reststoffe ein Potenzial für die Kreislaufwirtschaft haben können“, sagt Emmerich Haimer, wissenschaftlicher Betreuer der Arbeit und Studiengangsleiter für Industrielle Kreislaufwirtschaft an der FH Wiener Neustadt.
Potenzial für neue Anwendungen
Große industrielle Anwendungen sind derzeit zwar noch nicht absehbar. Die Ergebnisse sprechen jedoch für spezialisierte Nischenprodukte – etwa im Reitsport oder im Bereich nachhaltiger Designmaterialien.
Mögliche Einsatzfelder reichen von dämpfenden Sattelunterlagen über Akustiklösungen bis hin zu Polster- oder Dämmmaterialien. Besonders naheliegend sei laut Eder der Ansatz „vom Pferd – fürs Pferd“, also Produkte, die direkt im Pferdesport eingesetzt werden.
Forschung mit Zukunft
Für Eder endet das Thema mit dem Studienabschluss noch lange nicht. Die Arbeit liefert vor allem einen experimentellen Nachweis, dass Pferdehaare technisch nutzbar sind. Parallel arbeitet sie auch an ihrem Start-up PEGASOX, das innovative Lösungen für die Gesundheit von Pferdehufen entwickelt.
„Der nächste Schritt ist, die Prozesse weiter zu optimieren und aus dem Reststoff tatsächlich ein funktionales Material zu entwickeln“, sagt sie. „Es geht darum zu zeigen, dass Kreislaufwirtschaft auch bei kleinen, regionalen Stoffströmen funktionieren kann.“
Auch in diesem Frühjahr sollen deshalb wieder Pferdehaare gesammelt werden, um die Forschung weiterzuführen und neue Anwendungen zu entwickeln – Haarspenden sind willkommen.