Aussendung vom 03.09.2026

Smart-Brillen: Wenn die Kamera unsichtbar wird

Wenn die Brille zum Aufnahmegerät wird © Adobe Stock / Aleksandr Fedosov

Smart-Brillen können Bilder und Ton erfassen sowie mithilfe von Künstlicher Intelligenz ihre Umgebung analysieren.

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Sie sehen aus wie gewöhnliche Brillen, können aber Bilder und Ton erfassen sowie mithilfe von Künstlicher Intelligenz ihre Umgebung analysieren. Experten der FH Wiener Neustadt erklären, warum gerade die Unauffälligkeit von Smart-Brillen neue Herausforderungen für die Privatsphäre schafft und wo die Technologie Potenzial bietet.


Wiener Neustadt, 3. September 2026 – Mit Kamera, Mikrofon und Sprachsteuerung ähneln Smart-Brillen technisch in vielem einem Smartphone, manche Modelle verfügen auch über ein Display. Der entscheidende Unterschied: Sie werden direkt im Gesicht getragen, die Hände bleiben frei und für das Gegenüber ist oftmals kaum erkennbar, dass es sich überhaupt um ein technisches Gerät, geschweige denn um ein Aufnahmegerät handelt.

„Wenn jemand mit einem Smartphone ein Foto oder Video aufnimmt, ist das meist gut zu erkennen. Bei Smart-Brillen ist oft gar nicht offensichtlich, dass es sich um ein Aufnahmegerät handelt“, sagt Philipp Kolmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik der FH Wiener Neustadt.

Wenn aus Aufnahmen Daten werden

Brisant wird die Unauffälligkeit vor allem in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz. Kamera und Mikrofon können Bild und Ton aus der unmittelbaren Umgebung erfassen. Da die Rechenleistung der Brillen selbst begrenzt ist, können diese Daten zum Beispiel über ein gekoppeltes Smartphone an Cloud-Dienste übertragen und dort analysiert werden. KI kann so beispielsweise Sprache, Gesichter, Objekte oder Situationen erkennen und einordnen.

Philipp Rameder, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik erklärt: „Für Außenstehende ist nicht nur schwer erkennbar, ob gerade aufgenommen wird. Auch wo die Daten verarbeitet werden, was damit geschieht und wer darüber die Kontrolle hat, ist oft kaum nachvollziehbar – mitunter selbst für die Nutzerinnen und Nutzer der Brille.“

Technischer Schutz hat Grenzen

Eine kleine LED soll bei vielen Modellen anzeigen, wenn die Kamera aktiv ist. Einen vollständigen Schutz vor unbemerkten Aufnahmen bietet sie allerdings nicht. Solche Signale können manipuliert oder umgangen werden – oder etwa bei grellem Sonnenlicht schlicht schwer erkennbar sein.

Kolmann rechnet daher mit einem „Katze-Maus-Spiel“: Während Hersteller neue Sicherheitsmaßnahmen entwickeln, werden gleichzeitig Möglichkeiten gesucht, diese zu umgehen. Rameder sieht Parallelen zum Drohnen-Boom: Wie bei Drohnen könnte die Verbreitung von Smart-Brillen mit sinkenden Preisen und einfacherer Nutzung deutlich zunehmen. Damit rücken Fragen rund um den Datenschutz, aber auch das Potenzial der Technologie stärker in den Fokus.

Potenzial für Industrie und Pflege

In Industrie und Wartung können Informationen direkt eingeblendet oder Kamerabilder zur Analyse geteilt werden. Auch in der Pflege können Fachkräfte aus der Ferne unterstützen. Diesen Einsatz hat die FH Wiener Neustadt bereits im europäischen Forschungsprojekt Care about Care erprobt.

„Die Anwendungsfälle werden uns nicht ausgehen“, ist Rameder überzeugt. Leistungsfähigere Akkus könnten Smart-Brillen künftig über viele Stunden zu digitalen Begleitern machen. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung dürften damit auch Fragen rund um unbemerkte Aufnahmen und den Schutz der Privatsphäre an Bedeutung gewinnen.


 Die Fachhochschule Wiener Neustadt
Die FH Wiener Neustadt zählt zu den Top-Bildungseinrichtungen des Landes und ist Gestalter sowie Vorbild am heimischen FH-Sektor. Mittels praxisnaher Ausbildung, internationaler Vernetzungen und innovativer Forschungsarbeit werden gefragte Persönlichkeiten ausgebildet. Aktuell bietet die FH Wiener Neustadt an drei Standorten und sieben unterschiedlichen Studienorten in Wiener Neustadt, Wieselburg, Tulln, Wien und Salzburg insgesamt 47 Studiengänge an den fünf Fakultäten Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sport und Sicherheit an. Dies eröffnet den mehr als 4.500 Studierenden eine Vielzahl an Karriereperspektiven. Mehr als 500 MitarbeiterInnen und rund 1.000 ReferentInnen sorgen dabei für die hohe Praxisrelevanz der Ausbildung und einen modernen sowie effizienten Lehrbetrieb. Die FH Wiener Neustadt verfügt über ein eigenes, preisgekröntes Forschungsunternehmen – die FOTEC Forschungs- und Technologietransfer GmbH – und kooperiert mit 90 Partnerhochschulen weltweit. Die FHI (Fachhochschul-Immobiliengesellschaft der FHWN) realisierte in den vergangenen Jahren zahlreiche Leuchtturm-Projekte auf internationalem Top-Level, wie den Bau des Hauses der Digitalisierung am Biotech Campus Tulln, den City Campus Wiener Neustadt oder sämtliche Campuserweiterungen. Der Campus Wieselburg gilt als Hotspot für Nachhaltigkeit, Sustainable Innovation und als Zentrum für Marketing und Consumer Science. Ein Ort, der Digitalisierung & Landwirtschaft optimal vereint ist der Campus Francisco Josephinum in Wieselburg, wo der in Österreich einzigartige Bachelor-Studiengang Agrartechnologie & Digital Farming angeboten wird. Der Biotech-Campus Tulln etabliert sich zunehmend als zentrale Anlaufstelle in Sachen Forschung, Innovation und Digitalisierung. 

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Wenn die Brille zum Aufnahmegerät wird
7 008 x 4 672 © Adobe Stock / Aleksandr Fedosov
Dipl.-Ing. Mag. Philipp Kolmann
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