Aussendung vom 27.08.2026

Campus Wieselburg untersucht Wassergewinnung aus Sauerkrautlake

DI Dr. techn. Christian Maier © FHWN

Eine Förderung im Wert von 170.000€ durch die Gesellschaft für Forschungsförderung ermöglichte den Aufbau und die Inbetriebnahme von Wasseraufbereitungsanlagen am Campus Wieselburg.

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Hitzeperioden und zunehmende Wasserknappheit rücken den nachhaltigen Umgang mit Wasser stärker in den Fokus. Eine Bachelorarbeit am Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt zeigt am Beispiel der Lebensmittelproduktion, welches Potenzial in bislang wenig genutzten Reststoffströmen steckt. 


Wieselburg, 27. August 2026 – Wasser wird zunehmend zu einer wertvollen Ressource – auch für die Industrie. In zahlreichen Produktionsprozessen werden große Mengen eingesetzt, die anschließend als belastete Reststoffströme anfallen. Doch was, wenn sich ein Teil dieses Wassers zurückgewinnen ließe?

Wie das gelingen kann, untersuchte Richard Halbwachs in seiner Bachelorarbeit am Campus Wieselburg. Am Beispiel von Sauerkrautlake – von der allein im untersuchten österreichischen Verarbeitungsbetrieb jährlich rund 1.000 Kubikmeter anfallen – ging er der Frage nach, wie Wasser zurückgewonnen und enthaltene Stoffe für eine mögliche weitere Nutzung konzentriert werden können.

Wasser zurückgewinnen, Inhaltsstoffe konzentrieren

Die Ergebnisse zeigen: Wasser und Inhaltsstoffe der Sauerkrautlake lassen sich gezielt voneinander trennen. Dazu wurden unterschiedliche Aufbereitungsverfahren untersucht und zu geeigneten Prozessketten kombiniert – darunter Membranverfahren, Eindampfung, Adsorption und Ionenaustausch. Beim Eindampfen konnten rund 94 Prozent der zuvor aufbereiteten Flüssigkeit als Kondensat zurückgewonnen werden, während die übrigen Inhaltsstoffe konzentriert wurden. Eine weitere Aufbereitung mit Aktivkohle und Ionenaustausch zeigte zusätzliches Reinigungspotenzial.

„Wenn Wasser knapper wird, müssen wir genauer hinschauen, wo es sich zurückgewinnen lässt. Die Bachelorarbeit von Richard Halbwachs zeigt am Beispiel der Sauerkrautlake, dass Wasser und Inhaltsstoffe grundsätzlich voneinander getrennt werden können. Damit schafft sie eine Grundlage, um mögliche weitere Nutzungen zu untersuchen“, sagt Christian Maier, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Campus Wieselburg und Betreuer der Bachelorarbeit.

Energieeffizienz als Schlüssel

Um zu prüfen, wie sich das Verfahren auch energetisch optimieren lässt, wurde der Aufbereitungsprozess zusätzlich am Computer simuliert. Dabei zeigte sich: Vor allem das Eindampfen benötigt viel Energie. Wird der dabei entstehende Wasserdampf verdichtet und seine Energie wieder in den Prozess zurückgeführt, könnte der Energiebedarf deutlich reduziert werden.

Für eine spätere Anwendung zählt daher nicht nur, wie viel Wasser zurückgewonnen werden kann, sondern auch, wie energieeffizient dies gelingt. Denn erst ein möglichst geringer Energiebedarf macht die Aufbereitung auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant.

Vom Reststoff zur Ressource

Noch befindet sich der Ansatz im Labormaßstab. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, wie sich die Verfahren unter realitätsnahen Bedingungen umsetzen lassen und ob die Rückgewinnung von Wasser und Inhaltsstoffen auch im industriellen Maßstab technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Das Potenzial reicht dabei über die Sauerkrautproduktion hinaus. Wasserhaltige Reststoffströme fallen in vielen industriellen Prozessen an. Angesichts sinkender Wasserverfügbarkeit und steigender Kosten gewinnt ihre Aufbereitung für Unternehmen an Bedeutung. Die Arbeit knüpft an die Forschung zur nachhaltigen Wassernutzung am Campus Wieselburg an und zeigt, wie Aufbereitungstechnologien zu einem effizienteren Wassereinsatz in der Industrie beitragen können.


Die Fachhochschule Wiener Neustadt, Campus Wieselburg
Die FH Wiener Neustadt zählt zu den Top-Bildungseinrichtungen des Landes und ist Gestalter sowie Vorbild am heimischen FH-Sektor. Mittels praxisnaher Ausbildung, internationaler Vernetzungen und innovativer Forschungsarbeit werden gefragte Persönlichkeiten ausgebildet. Aktuell bietet die FH Wiener Neustadt an drei Standorten und sieben unterschiedlichen Studienorten in Wiener Neustadt, Wieselburg, Tulln, Wien und Salzburg insgesamt 47 Studiengänge an den fünf Fakultäten Wirtschaft, Technik, Gesundheit, Sport und Sicherheit an. Dies eröffnet den mehr als 4.500 Studierenden eine Vielzahl an Karriereperspektiven. Mehr als 500 MitarbeiterInnen und rund 1.000 ReferentInnen sorgen dabei für die hohe Praxisrelevanz der Ausbildung und einen modernen sowie effizienten Lehrbetrieb. Der Campus Wieselburg versteht sich als Hotspot für Nachhaltigkeit und Sustainable Innovation sowie Marketing und Consumer Science. Mit 20 Jahren Markt- und Forschungserfahrung in den zukunftsträchtigen Bereichen Erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, Lebensmittelwissenschaften sowie Markt- und Konsumentenforschung, zählt der Campus Wieselburg zu den landesweit führenden Kompetenzzentren. Lehre und Forschung orientieren sich in allen Spezialisierungen an den Leitwerten Praxisnähe, Interdisziplinarität und Nachhaltigkeit. Mit dem neu gegründeten Institut für Nachhaltigkeit setzt der Campus Wieselburg ein weiteres Ausrufezeichen für die wegweisende Kompetenzentwicklung. Ein Ort, der Innovation, Digitalisierung & Landwirtschaft optimal vereint ist auch der Campus Francisco Josephinum in Wieselburg, wo der in Österreich einzigartige Bachelor-Studiengang Agrartechnologie & Digital Farming angeboten wird.

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DI Dr. techn. Christian Maier
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Sauerkrautlake (links) und Sauerkrautpermeat (rechts)
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